Ausgerudert

So, wie es eben ist, muss man immer wieder feststellen, dass man noch lange nicht ausgelernt hat, gerade nicht in den Dingen, die man für „komplett begriffen“ in die Ablage gesteckt hatte.

Ausatmen.

So, wie es eben ist, muss man dann eben feststellen, dass man das gesamte Kapitel wieder aus der Ablage und aus dem Schredder rauskramen und zusammen fügen muss, ganz mühselig, um das Ergebnis erneut ins Auge zu fassen und durch den Kopf jagen zu lassen. Währenddessen füttert man das bunte Gedankenkarussell mit den erworbenen Informationen und versucht neu berechnete Ergebnisse aus der Summe des Ganzen als Resultat erneut unter die Lupe zu nehmen.

Einatmen.

Es ist das klassische Thema der Freundschaft, so alt wie der Einzelne selbst, über das man sein gesamtes Leben nachdenkt. Irgendwann fühlt man sich dann angekommen im eigen kreierten, bunten Freundeskreis, schaut sich um und weiß ganz genau: Das Thema kann nun ad acta gelegt werden, das Wissen ist fundiert und die Regeln erkannt, es kann nichts mehr überraschen.

Und ehe man es sich im Freundschaftsboot so richtig gemütlich gemacht hat, schon blind rudert und mit einer Zigarette in der Hand treiben lässt, strandet man auf einer Sandbank und steckt fest. Ungemütlich. Und man schaut sich erst einmal um. Und zieht nochmal an der Kippe. Und schaut sich nochmal um. Und irgendwie.. ist alles anders. Irgendwie hat man es geschafft, es sich vielleicht zu gemütlich zu machen und ist alleine auf einer Düne mitten im See der Freundschaft geentert und niemand da, der helfen könnte. Oje. Schöner Bockmist. Naja, das wäre dann genau der richtige Moment um sich das alte Kapitel der Freundschaft nochmal zusammen zu suchen und natürlich, um sich eine weitere Kippe anzuzünden. Und genau so ist es dann: Man teilt sich einsam und alleine mit einem Stapel Gedanken das Bötchen und geht fleißig jeden Einzelnen mit Geduld durch bis man den Fehler gefunden hat. Und so gemütlich sich das jetzt auch wieder anhören mag: Solange man nicht glücklich ist, kann Gemütlichkeit gar nicht mehr sein. Man sitzt also eher einsam und alleine und irgendwann auch verlassen in einem harten Boot, die Kippen sind auch schon leer und die Gedanken lassen sich kaum abarbeiten. Schöne Scheiße, und vom Fehler im System weit und breit keine Spur. Schöne komplizierte Scheiße. Und ehe man sich nochmal versieht, versieht man sich komplett und kommt zu dem Ergebnis dass alles einfach anders ist und das wars! Ohne Erklärung, ohne Warum, also sei es drum.

Schlaflos in Florenz

Es ist Nacht, alles ist dunkel, das große Fenster vor meinem Bett steht offen. Ich kann im liegen nur einen Teil des Innenhofs sehen und außer dem nervigen summen der nervigen Mücken ist auch kein Laut zu hören. Vor wenigen Minuten passierte die Straßenreinigung die Straße runter, es muss also ungefähr zwei Uhr in der früh sein. Die Luft ist warm. So warm, wie sie an Juniabenden nun einmal ist. Die Stadt liegt in einem Kessel, daher sammelt sich die warme Luft hier wohl nur allzu gerne. Außerdem liegt sie am Fluss, das erklärt die Mückenplage. Irgendwie habe ich mich an diese nervtötenden Eindringlinge bereits gewöhnt, bin schon zu faul um nach ihnen zu schlagen. Stattdessen fuchtele ich nur noch mit meinem Pferdeschwanz wenn ich sie im Anflug höre. Helfen tut es nicht, aber was soll es. So sei es drum. Zum kratzen der Stiche bin ich allerdings noch bereit. Es juckt fürchterlich. Seitdem sie mein Gesicht mehrmals zerstochen haben und ich am nächsten morgen wie ein aufgedunsener Streuselkuchen aussah, lege ich ihnen nachts schon mal ein Bein oder mal einen Arm zum essen raus. Also aus der Bettdecke. Das war die logische Schlussfolgerung, irgendwie. Seitdem kommt mein Gesicht pro Nacht mit ein bis zwei Stichen aus. Das nenne ich Fortschritt.
Ich kann nicht schlafen, denke über die Mücken nach. Wenn ich eine von ihnen wäre, ich weiß nicht, ich würde es anders anstellen. Was hat die Evolution bei denen nur verbockt, dass sie nicht verstehen, dass ihr Gesumme ihre einzige Schwachstelle ist.. Ich würde mich, als Mücke versteht sich, auf die Bettdecke legen und den restlichen Weg zu meinem Fleisch laufen. So schnell würde mich dann keiner erwischen. Ja, vielleicht würde ich sogar mit meinem Angriff so lange warten, bis alle Lichter aus wären. Das ist doch ein sicheres Zeichen für Schlafenszeit. Und Schlafenszeit gleich niedrigere Sterbensrate. Irgendwas hat die Evolution da wirklich vermasselt. Andererseits, wäre ich die Evolution, ich würde es den Mücken auch nicht beibringen. Denn eigentlich gehören sie ja als roter Punkt an die Wand.
Ergo: Die Evolution macht doch alles richtig und ich.. ich versuche jetzt doch zu schlafen.