Tag 5 – A song that reminds you of someone

Das ist wohl das schönste an der Musik: Sie lässt keine Vergänglichkeit zu, erhält die Erinnerung an geliebten Menschen, auch wenn diese nicht mehr unter uns weilen, in der Musik werden sie stets weiter leben.

Giacomo Rondinella – Malefemmena (1951)

http://www.youtube.com/watch?v=UIioOD-rRec

Der italienische Komiker Totò komponierte einst dieses Lied in neapolitanischem Dialekt, nachdem ihn die Schauspielerin Silvana Pampanini abserviert hatte, und wenn Komiker leiden ist schnell Schluss mit lustig! So heißt es u.a. in seiner canzone: „Hättest du das, was du mir angetan hast, einem anderen angetan, er hätte dich umgebracht!“.  Es geht um verschmähte Liebe.

Nun, etymologisch betrachtet, beschreibt der Begriff der Malafemmena (italienisch: Mala femmina = schlechte Frau) am Anfang des 19. Und im neapolitanischen Theater eine untreue Frau, aber auch eine Prostituierte oder Tänzerin, die bevorzugt junge Männer aus gutem Hause verführt. Erst durch das Lied von Totò wurde dieser Begriff positiv konnotiert und beschrieb fortan den Stereotyp Frau, die schwer zu haben, unerreichbar und unantastbar ist. Die Frau, die unwissend ihrem Verehrer Schmerzen zufügt, weil sie seine Liebe nicht erwidert, er aber alles tut, um sie zu haben.

Die FAZ schrieb dazu: „(…)Lieder die normalerweise nur von mehr oder weniger gestandenen Männern gesungen werden. Von Männern, die ihre zarten Seiten nur in schlechten Zeiten zeigen, und zwar genau dann, wenn sowieso alles schon verloren ist. Wenn längst schon nur noch die Ausweglosigkeit den Verstand regiert und die ungestillte Sehnsucht den allerletzten Nerv seziert.“.

Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind oft meinem Vater lauschte, wie er lautstark Malafemmena mitsang, ich aber nicht verstand, was es mit dieser schlechten Frau auf sich hatte und wieso es ein schönes Lied sein sollte. Nun weiß ich, dass mein Vater damit meiner Mutter immer den Wink gab, seine große Liebe zu sein und dass sie in Liebesdingen immer die Macht über ihn haben würde, da es keine Zweite wie sie in seinem Leben geben würde.  Mein Vater war kein Mensch der vielen Worte, aber ein Romantiker steckte in ihm, und wenn er mal wieder nicht wusste, wie er sich entschuldigen sollte, schmetterte er Liebesopern von Pavarotti und Co. Als Heranwachsende habe ich all das nie gesehen, nie verstanden. Doch desto mehr ich mich mit seiner Musik beschäftige, umso mehr verstehe ich sein Wesen, und dafür danke ich der Musik, dafür, dass sie ihn mir für immer lässt.

Advertisements

Ein Morgen am Meer

Ich schaute hinüber zum Horizont mit der bestimmten Gewissheit, etwas Land entdecken zu können, wenn ich nur ganz genau hinschaute. So kniff ich die Augen zusammen, als Schutz vor der hellen Sonne die scheinbar nicht zulassen wollte, dass ich Land zu sehen bekam. Irgendwann bildete ich mir ein, Griechenlands Küste sehen zu können. Vielleicht war es aber doch keine Einbildung.

Ich erinnere mich daran wie ich noch klein war und meine Nonna (italienisch für Oma) mit mir zum Strand runter ging. Im Gepäck hatte sie immer was Leckeres zu Essen, eine Tüte Saft und die besten Geschichten der Welt! Eines Morgens packte sie mich sogar recht früh ein, es muss 7 Uhr gewesen sein. Denn die Sonne war zwar schon da, aber auf den Straßen herrschte noch die nächtliche Ruhe, der Strand war Menschenleer und das Meer eine Tafel, kein Lüftchen regte sich, das Wasser blieb still. Die wenigen Wellen die das Ufer erreichten verschwammen im Sand, der Schaum blieb sogar ganz weg. Meine Nonna spannte den Sonnenschirm auf, legte eine Handtuch-Landschaft aus und bat mich, mein Sommerkleidchen auszuziehen. Sie hatte wohl nicht bemerkt, dass ich schon ganz aufgeregt im Badeanzug neben ihr stand und sie mit großen Augen anschaute die sagen wollten: „Darf ich ins Wasser? Darf ich?“. Natürlich durfte ich, dafür waren wir schließlich da. Aber das Wasser war bitterlich kalt, ich spielte ein wenig mit meinen Zehen und ließ sie sanft durch das kalte Nasse gleiten, wie weich das Wasser doch sein konnte. Ich entschied mich, Muscheln am Ufer zu sammeln und nach ihnen zu buddeln. Meine Nonna erzählte mir, nachdem ich verwundert nachfragte, wo denn die „Tiere“ seien, ich sollte da graben, wo kleine schwarze Löcher im Boden sind, das seien die Luftlöcher der Muscheln. Und sie hatte Recht, da versteckten sich auch schon die „Tiere“. Binnen weniger Minuten war mein Eimerchen dann voller Muscheln und Steinen und, ja, vom Wasser geschliffenes, Glas. Meine Oma bat mich zu sich, ob ihr nicht zeigen wollte, was ich denn so alles gefunden hätte, im heimischen Boden. Ich tippelte zu ihr mit dem Versuch, allen Sand am Boden zu lassen, aber das sollte nicht klappen. Wieso, erfuhr ich auch wenig später. Ich ließ mich auf eins der Handtücher plumpsen und kippte meinen Eimer aus, voller Enthusiasmus präsentierte ich die großen und die kleinen „Tiere“, und das weiße und das grüne Glas.. Als ich mit der Vorführung meiner Beute fertig war, verharrte mein Blick auf der geraden Linie des Horizonts. „Nonna, was ist hinter dem Wasser? Kommt da noch was?“. Mit einer Engelsgeduld erklärte sie mir, dass hinter der Linie ein anderes Land liegt, nämlich Griechenland. Und weiter sagte sie, dass wenn das Wetter richtig richtig gut und kein Wölkchen am Himmel sei, dann könnte man sogar die Küste Griechenlands erblicken. Damit hatte sie meine gesamte Aufmerksamkeit gewonnen. Hinter dieser Linie sollte also ein anderes, fremdes Land liegen. „Wow!“, dachte ich, „hoffentlich haben wir morgen richtig richtig gutes Wetter und keine Wolken am Himmel! Dann sehe ich Griechenland!“.

Seit dem Tag warte ich auf das richtige Wetter, auf die nicht vorhandenen Wolken, auf die klare Sicht aufs andere Ufer, das doch nicht das Ende der Welt bedeutet. Doch wenn ich meine Augen so wie jetzt zukniff, war ich sicher, es sehen zu können: Die Küste hinterm Horizont.

Abschied..

..nehmen – fällt mir schwer.
Der Kleiderschrank schon halb leer.

Die Schubladen alle offen
Mein Herz – ein leises Klopfen.

Erinnerungen von der Wand genommen
Mein Aufenthalt wirkt bereits verschwommen.

Als wäre ich nie hier gewesen,
Ist meine Spur schon am verwesen.

Die Stadt ein letztes Mal sehen,
Danach bleibt nur noch gehen.

Mein Herz zerbricht,
Das will ich nicht.
Nun muss ich fort,
An diesen Ort,
Den ich meine Heimat nenne.

Deutsch-italienische Freundschaft..

..existiert seit der WM 2006 nicht mehr? Hm, im Stadion mag das stimmen, doch auf meinem Teller lag heute Abend der geschmackliche Gegenbeweis: Pizza Wurstel.
Richtig, was die Italiener so schick „Wurstel“ nennen, sind eigentlich altbekannte Würstchen. Und wer mich jetzt für einen Ekel hält: Neeeein, ehrlich, schmeckt wirklich gut!
Dafür ist es wohl notwendigerweise nicht zu umgehen, diese Pizza in Italien zu essen: Hauchdünn, im Steinofen gebacken, mit frischen Tomaten und feiner Mozzarella bedeckt… Ich bekomme wieder Hunger..
Um Missverständnissen vorzubeugen; Ich bin kein Fan von experimentierfreudiger Küche, aber dieses Gericht ist kein Gerücht. Pizza mit Fleischbeilage, deutsche Ingredienzien auf italienischem Boden, ein bombiges Geschmackserlebnis. Ja, gar ein Rosinenbomber-bombiges Erlebnis beladen mit italienischer frischer Ware… Ok, nichts zu machen, ich muss Pizza bestellen!