„Geht das..

..denn jetzt schon als Blues durch?“. So lautete die Frage die sie sich schon seit Tagen stellte. Schließlich war dieses altbekannte Gefühl erneut hochgekommen an das sie sich noch vage erinnerte, denn es lag schon ein Jahr zurück. Dieses Gefühl, meinte sie, lässt sich durchaus platt beschreiben: „Lang anhaltende Traurigkeit die aus dem Nichts kommt, ein schweres Gewicht dass sich wie ein feuchtes Tuch auf das Herz presst, ständige Leere im Kopf. Doch der Blues kommt sonst händchenhaltend mit dem Winter daher! Ist das denn jetzt nicht noch zu früh?“, fragte sie weiter. Nein, es ist nicht zu früh. Und nein, das geht noch nicht als Blues durch – blöde Frage! „Was du hast, das ist kein Winter-Blues und kein Sommer-Loch, kein Frühlings-Hoch und kein Herbst-Down. Was du hast, das nennt man einfach Traurigkeit und je vager deine Erinnerung daran ist, umso glücklicher solltest du dich schätzen.“. Sie lächelte und kippte ihren Kopf nach rechts, während sie über diese Worte nachdachte. Plötzlich musste sie lachen denn ihr fiel auf, dass die Traurigkeit, bei all den Gedanken und Mythen, die sie sich in den letzten Tagen zusammen gesponnen hatte, ihre Macht über sie verloren hatte. Und während sie da saß und noch lachte bemerkte sie nicht, dass sich ihr Herz bereits für das Herbst-Glück öffnete…

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Die Muse

Ich gab ihr einst den Namen Alma. „Der sollte passen“, dachte ich. „Schließlich nährt sie mich mit Ideen und Träumen, welcher Name sollte es da schon besser treffen wenn nicht dieser!“.

So kam es, dass ich mir eine Weggefährtin zulegte, die nun, befreit aus ihrer eingestaubten Welt der Mythologie, neben mir her lebte und irgendwie auch agierte.

Indem ich ihr Attribute wie einen Namen und einen festen Wohnsitz zuteil kommen ließ, erweckte ich sie zum Leben. Anders kann ich es mir nicht erklären. Denn ich rede mit ihr und ich lache mit ihr und in meinen Träumen tanze ich mit ihr.

Manchmal, wenn sie unangemeldet auf weite Reisen geht, fehlt sie mir. Letztes Mal, als es soweit war, dachte ich, dass sie sich nicht nur meinen Koffer geliehen, sondern auch meine Motivation heimlich eingepackt hat. Da war ich kurzzeitig nicht gut auf sie zu sprechen und als ob sie es gewusst hat, meldete sie sich nicht. Oft, wenn eben diese Situation eintrifft, klingelt dann tagelang nicht das Telefon und meine Wut macht dem Kopfzerbrechen Platz, es könnte ihr etwas zugestoßen sein. Wenn sie dann wieder auf der Matte steht und mich morgens sanft weckt, bin ich dann so glücklich, dass sie wieder da ist und dass ihr nichts passiert ist, dass ich ganz vergesse, wie wütend ich auf sie war. Und so gehen wir dann zurück in den Alltag. So, als ob nichts gewesen wäre. So, als ob sie mich nie verlassen hätte. So, als wäre sie immer an meiner Seite gewesen.

Seit gestern ist sie wieder fort. Aber diesmal bin ich nicht wütend, nein, ich mache mir auch keine großen Sorgen ihr könnte etwas zugestoßen sein oder, der schlimmste Fall, dass sie nicht mehr zurückkommt. Diesmal ist sie weg weil ich meine Ruhe brauche und sie das verstanden hat. So ist es eben mit Alma: Ich kann nicht ohne sie, das weiß sie, doch sie merkt auch ohne Worte, was ich brauche. So ist sie nun fort – doch ich weiß, dass sie wieder kommt, sobald ich es zulasse.